Gesundheitsversorgung in der Region Rhein-Main hat „Potenzial nach oben“

Hausärzte und Patientensicherheit sind die wichtigsten Themen – Jüngere sehen Gesundheitsberufe skeptisch

Zentrale Empfehlungen an die Landespolitik:

·       Mehr tun für die Attraktivität der Pflegeberufe

·       Ländliche Hausarztversorgung verbessern

·       Patientensicherheit im Auge behalten

Die mehr als fünf Millionen Bewohner der Metropolregion Rhein-Main sind mit der Gesundheitsversorgung in ihrer Region überwiegend zufrieden. Dies geht aus der aktuellen Umfrage der „Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v.“ hervor. Bemängelt wird vor allem die Erreichbarkeit von Hausärzten in ländlichen Regionen. Dies zu verbessern, sei eine der Hauptaufgaben der Landespolitik. Als dramatisch schlecht wird das Image von Pflegeberufen angesehen. 

„Für Pflegeberufe muss dringend mehr getan werden. Wir haben bereits ein Expertengremium gebildet, um Empfehlungen für die Fachkräftegewinnung in der Pflege zu erarbeiten. Die Ergebnisse werden wir der Politik und den Akteuren der Gesundheitswirtschaft präsentieren“, erklärte Michael Burkhart, der Vorsitzende der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v. und Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. 

Bei Jüngeren stehen Heilberufe weniger hoch im Kurs

Aufhorchen lassen nach Einschätzung von Michael Burkhart die unterschiedliche Beurteilung von Heilberufen bei den verschiedenen Generationen. Pflegeberufe halten alle Altersgruppen für wenig attraktiv (29 %). Aber auch fast alle anderen Gesundheitsberufe stehen bei 18- bis 39-Jährigen niedriger im Kurs als bei über 40-Jährigen. Den Arztberuf finden 90 Prozent der über 60-Jährigen attraktiv, jedoch nur 73 Prozent der 18- bis 39- Jährigen. Noch schlechter kommen Apotheker weg: 89 Prozent der über 60-Jährigen finden diese Arbeit attraktiv, aber nur 64 Prozent der 18- bis 39-Jährigen.

In der vor zehn Jahren erschienenen Studie „Fachkräfteentwicklung der Gesundheitswirtschaft in der Rhein-Main-Region“ der Initiative gesundheitwirtschaft rhein-main, und der IHK Frankfurt am Main war für das Jahr 2020 ein Mangel an 10.000 Fachkräfte prognostiziert worden. 2030 könnten sogar über 60.000 Fachkräfte in der Region im Gesundheitswesen fehlen. „An dieser Lage hat sich bis heute nichts grundlegend geändert. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, wird sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen,“ mahnt Burkhart.

Online-Terminvergabe und digitale Patientenakte sind die Favoriten

Eine zentrale Frage galt der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Befragten in der Metropolregion Rhein-Main halten die persönliche digitale Patientenakte und die Onlinevergabe von Terminen (jeweils 82%) für die nützlichsten digitalen Serviceangebote im Gesundheitswesen. Am wenigsten können sie sich mit Videosprechstunden anfreunden (44%). Der persönliche Kontakt zum Arzt scheint den Menschen trotz teils schwerer Erreichbarkeit von Ärzten wichtig zu sein. Interessant ist auch, dass auch bei der älteren Generation digitale Angebote im Gesundheitswesen gut ankommen.

Medizinische, pflegerische und therapeutische Qualität

Bei der Bewertung von Einrichtungen im Hinblick auf medizinische, pflegerische bzw. therapeutische Qualität erhalten Hausärzte und Facharztpraxen die besten Schulnoten (2,4 bzw. 2,6). Auch bei der Servicequalität liegen sie vorn (2,3 bzw. 2,4). Schlechter werden Krankenhäuser (2,9) und stationäre Pflegeheime (3,2) bewertet. Bei der Servicequalität wurde unter anderem nach Reinigung/Hygiene, Freundlichkeit der Mitarbeiter, Sprechzeiten und Verpflegung gefragt. Bei der räumlichen Entfernung und Erreichbarkeit schneiden Krankenhäuser mit einer Durchschnittsnote von 2,2 dagegen besser ab als Facharztpraxen und stationäre Pflegeheime (jeweils 2,5). Am besten erreichbar sind Hausärzte (1,8).

Patientensicherheit und Landärzte Hauptaufgaben für die Landespolitik

Die wichtigsten Hausaufgaben für die Landespolitik sind aus Sicht der Bevölkerung die Stärkung der Patientensicherheit und – ungeachtet der an sich gut bewerteten Erreichbarkeit von Hausärzten – eine Verbesserung der Versorgung mit Hausärzten im ländlichen Raum. Diese beiden Themen werden von jeweils 70 Prozent der Befragten als sehr wichtig angesehen. Die Förderung von Forschung und Innovationen wird im Vergleich zu anderen Gesundheitsthemen seltener als sehr wichtige landespolitische Aufgabe genannt.

Arzneimittelkontrolle wichtiger als Forschungsförderung

Für eine verlässliche Versorgung mit Medikamenten sind aus Bevölkerungssicht vor allem staatliche Kontrollen von Wirksamkeit, Nutzen und Sicherheit von neuen Arzneimitteln sehr wichtig (62%). Mehr als die Hälfte hält eine ausreichende Anzahl von Apotheken für erforderlich. Forschende Pharmaunternehmen (42%) und die Förderung von Innovationen durch den Staat (47%) werden vergleichsweise seltener als notwendige Voraussetzung für die Gesundheitsversorgung genannt.

Für die repräsentative Stichprobe wurden 500 Bewohnerinnen und Bewohner der Rhein-Main-Region befragt. „Wenn es um Gesundheit geht stehen häufig politische, wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Themen im Vordergrund. Mit unserer künftig jährlichen Umfrage wollen wir herausfinden, was die Bürger wollen, und wie sich die Haltung zu wichtigen Fragen verändert. Aus den Ergebnissen werden wir Vorschläge und Handlungsempfehlungen für die Politik und die Akteure des Gesundheitswesens ableiten“, resümierte Michael Burkhart.