Kampf gegen ADHS - EU fördert Forscher der Uniklinik

127715 m3w605h320q75v42502 junge 40972750.original.large-4-3-800-69-0-2056-1491Kinder zappeln und sind unruhig, Erwachsene neigen oft zu Depressionen, zu Suchtverhalten oder gar bipolaren Störungen – ADHS ist eine Krankheit, die viele Gesichter hat. Mediziner der Uniklinik wollen herausfinden, wie man erwachsenen Patienten besser helfen kann.

Frankfurt.
Bei den Kindern könnte es zumindest zeitweise eine „Modediagnose“ gewesen sein: ADHS, das Zappelphilip-Syndrom. Inzwischen weiß man: Nur bei jedem zweiten Kind verschwindet die Krankheit, die andere Hälfte leidet noch als Erwachsene unter den Syndromen. Davon jeder dritte – also etwa 15 Prozent aller als Kind erkrankten – so schlimm, dass sich Depressionen einstellen, eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen, die zwar nicht ADHS sind, aber damit häufig verbunden sind. Diesen Krankheiten bei Erwachsenen abzuhelfen oder gar vorzubeugen, hat ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung der Uniklinik ein Forschungsprojekt entwickelt. Es läuft über fünf Jahre. 18 Institute in neun Ländern sind beteiligt. Die Europäische Union fördert das Projekt mit sechs Millionen Euro. Eine Million davon fließt den Forschern in Frankfurt zu.

Negativspirale vermeiden

Verantwortlich für die Forschung in Frankfurt sind die Professoren Andreas Reif, Studienleiter und Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Zentrales Ziel sei, „den Behandelnden und der Gesellschaft insgesamt Instrumente an die Hand zu geben, damit Jugendliche und junge Erwachsene mit ADHS nicht in eine Negativspirale psychischer Störungen geraten“, sagte Prof. Reif.

234 Patienten zwischen 15 und 25 Jahren werden an vier der 18 Institute zu „Versuchskaninchen“. Sie erhalten neben der üblichen Behandlung mit Medikamenten wie Ritalin entweder keine weitere Behandlung, oder aber sie werden mittels Handy-Applikationen kontrolliert und ermuntert, Sport zu treiben. Es dient in erster Linie der Motivation. Eine weitere Gruppe erhält eine Lichttherapie: täglich eine halbe Stunde Kunstlicht, dazu Sensoren am Smartphone, die messen, wie hell oder dunkel die Umgebung ist.

Eine Studie läuft zehn Wochen. Nach deren Ende werden die Teilnehmer untersucht, um herauszufinden, ob sie vielleicht etwas weniger häufig depressiv sind als die Kontrollgruppe ohne Handy-Apps. Nach drei Monaten wird die Untersuchung wiederholt, um die Nachhaltigkeit der Therapie zu testen.

In den anderen Instituten werden andere Forschungen vorgenommen. So gibt es weltweit von 370 000 ADHS-Patienten Gen-Tests. Hier will man herausfinden, wie die genetischen Besonderheiten von ADHS aussehen. Genetische Disposition sei die Hauptursache für ADHS. Zudem gibt es in Skandinavien epidemologische Daten von rund 30 Millionen Bürgern. Auch hier lässt sich viel über ADHS, Vorkommen und Verbreitung der Krankheit und Co-Faktoren lernen.

Folgestudien nötig

Klar scheint indessen, wenn nur 234 Patienten behandelt werden und dann auch noch nur kurze Zeit unter Beobachtung stehen, sind die Ergebnisse nicht mehr als ein Hinweis, in welcher Richtung sich Therapien entwickeln könnten. Es sei klar, dass die Mediziner Anschluss-Forschungsgelder beantragen müssten, hieß es gestern bei der Vorstellung des Forschungsvorhabens. Immerhin versprechen Reif und seine Kollegen sich von der Arbeit eine „Zeitenwende“ in der Behandlung von ADHS.

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