Eiszeit für Tumore: Am UKGM in Marburg werden bundesweit erstmalig Krebszellen im MRT punktgenau vereist

20090825 15 tlDie Patientin ist wach und liegt zur Behandlung in der Röhre des Magnetresonanztomographen (MRT). Zuvor hat der behandelnde Arzt einen minimalen, etwa 2 mm langen Schnitt an ihrer linken Brust vorgenommen, darunter im Brustgewebe liegt ein bösartiger Tumor, so groß wie ein Daumen. Gespürt hat sie nichts von dem Schnitt, dafür wurde der Bereich lokal betäubt, eine Vollnarkose ist für den Eingriff nicht nötig. Durch die Bildgebung des MRT kann der Arzt auf einem Bildschirm den Tumor genau erkennen. Für die Patientin ist diese Methode völlig frei von Nebenwirkungen, denn anders als das Röntgen oder die Computertomographie (CT), arbeitet das MRT vollkommen strahlungsfrei.

Durch den kleinen Schnitt führt der Arzt nun eine etwa Zahnstocher-dünne Therapiesonde ein, die eine Temperatur von minus 170 Grad erzeugen kann. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie die Sonde den Tumor punktgenau erreicht. Die Sonde wird nun aktiviert und vereist das Tumorgewebe, das damit dauerhaft abgetötet wird. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie aus dem Tumor ein Eisball wird. Nach einer Stunde ist der Eingriff vorbei. Maximal drei Tage bleibt die Patientin in der Klinik. Bevor sie entlassen wird, geht es noch einmal in die Röhre, um nachzuschauen, ob auch wirklich das gesamte Tumorgewebe erfroren ist und die sogenannte Kryotherapie erfolgreich war.

Kryotherapie - auch Kryoablation genannt – mit Hilfe der MRT Steuerung im MRT gibt es bundesweit einmalig bislang nur in der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKGM in Marburg unter der Leitung von Prof. Andreas Mahnken. „Wir sind sehr froh, dass wir unseren Patienten nun diese schonende, schmerzfreie und punktgenaue Therapie anbieten können. Wir haben zuvor bereits Patienten mit Hilfe der Computertomographie auf diese Weise behandelt. Mit der MRT ist die Bildgebung deutlich präziser und erlaubt eine direkte Beurteilung des Ergebnis bereits während des Eingriffes“, so Mahnken.

Die Kryoablation kann während der MR-gesteuerten Therapie äußerst präzise überwacht werden. Die Ausdehnung des „Eisballs“ (Sternchen) ist während der gesamten Dauer der Ablation sichtbar und kann patientenindividuell angepasst werden. Dies ermöglicht eine personalisierte Medizin

Für welche Tumore ist die Kryotherapie geeignet?

Behandelt werden können gutartige sowie bösartige Tumore nahezu aller Körperregionen. Dazu gehören die organerhaltende Behandlung von Brustkrebs, schmerzhafte Knochenmetastasen, Prostatakrebs, Nieren- oder Leberkrebs, aber auch Lungenmetastasen. Die Therapie bietet sich besonders für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen an, die eine Alternative zur klassischen Operation oder Strahlentherapie brauchen. Weil das Verfahren strahlenfrei, schmerzarm und besonders schonend ist, kommt diese Methode auch für krebskranke Kinder in Frage.

„Mit dem Einsatz der MR-gesteuerten Kryotherapie steht uns nun ein innovatives, mikroinvasives und präzises Verfahren zur lokalen Tumortherapie zur Verfügung, mit dem wir unsere Patienten effektiv behandeln können“, betont Prof. Mahnken.

Mit einem wissenschaftlichen Symposium am 13. April wird das neue Verfahren eingeweiht.

Weitere Informationen:

Auf dem Foto: Prof. Andreas Mahnken

Weitere Details zum Symposium entnehmen Sie bitte dem beigefügten Flyer

Kontakte:
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM)
Baldingerstraße
35042 Marburg
Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. Andreas Mahnken
Telefon: +49 (0) 6421 / 58- 66700
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Web: www.radiologie-marburg.de

UKGM-Pressestelle:
Christine Bode
Bereich Kommunikation / Pressesprecherin
Telefon: (0641) 985-40013
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Web: www.ukgm.de

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